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In Phase 5 wird die abschließende Reflexion, Präsentation und Bewertung der Ermittlungen durchgeführt. Die Schüler:innen fassen ihre Ermittlungsergebnisse zusammen, reflektieren das eigene Handeln und verteidigen ihre Befunde in einer simulierten Anhörung. Ziel ist die Verknüpfung von Buchführungswissen mit Präsentations- und Bewertungsfähigkeiten. 🧾📊🎤

  • Story-Element: Nach intensiver Spurensuche präsentiert das Wirtschaftsprüfungsteam die Ergebnisse vor dem „Aufsichtsrat“ des BPK (Klassenjury/Lehrkraft). Entscheidung: Was ist passiert und wer ist verantwortlich? In einer simulierten Verhandlung müssen die Teams ihre Untersuchungsergebnisse erklären, begründen und Handlungsempfehlungen vorstellen. ⚖️🕵️

  • 🏢 Inhalt:
    Erstellung von EBK, SBK und Bilanz Erfolgsermittlung (Eigenkapitalveränderung, Rentabilitätskennzahlen) Fehleranalyse & Handlungsempfehlungen Reflexion über Buchführungsprozesse und GoB-Konformität Vorbereitung von Präsentationen und Berichten

  • 🧩 Aufgabe:
    Erstellt einen schriftlichen Ermittlungsbericht (digital oder analog) Bereitet eine Gruppenpräsentation vor und präsentiert im simulierten „Gerichtsverfahren“/Aufsichtsrat Bewertet euer Vorgehen: Was lief gut, was nicht? Entwickelt konkrete Vorschläge zur Prozessverbesserung im BPK

  • 📚 Materialien:

    • Abschlussbericht-Vorlage mit Leitfragen
    • Präsentationsauftrag (Gruppenarbeit)
    • Bewertungsraster für „Verhandlung“/Jury-Bewertung
    • Reflexionsbogen: eigene Rolle und Lernentwicklung
    • Beispielhafte Abschlussunterlagen (EBK, SBK, Bilanz)
    • Rollenkarten für Gerichtsverhandlung (Richter:in, Wirtschaftsprüfer:in, Vorstand, Steuerberater:in etc.)
    • Gerichtskulisse / Requisiten (optional) (Details und Ablaufbeispiele siehe Seiten 8–10)

🛠️ Methoden

  • 🎭 Rollenspiel: Gerichtsverhandlung oder Aufsichtsratssitzung
  • 📊 Präsentation & Feedback (analog oder digital)
  • 👥 Peer-Evaluation
  • 💬 Reflexionsgespräch (einzeln oder in Gruppen)

🎯 Lernziele

  • Fähigkeit zur Darstellung komplexer buchhalterischer Sachverhalte
  • Anwendung von Kennzahlen zur Erfolgsbeurteilung
  • Entwicklung von Reflexions- und Präsentationskompetenz 🎤🧠
  • Verknüpfung von Theorie, Praxis und Handlung sowie Sensibilisierung für GoB und interne Kontrollmaßnahmen 🔗⚠️

📊 Unterrichtsprojekt: Gerichtsverhandlung zur Buchführung

Fallstudie: Bergisches Papierkontor GmbH (BPK)


⚖️ Beispielhaftes Skript für die Gerichtsverhandlung

🎭 Rollen

  • Richter:in (Lehrkraft oder neutrale SuS)
  • Wirtschaftsprüfer:innen-Team (Gruppe 1–3)
  • Vertreter:in der BPK-Leitung (z. B. Geschäftsführer:in)
  • Steuerberater:in / externe Fachperson
  • Protokollant:in
  • Publikum (restliche Klasse oder Jury)

📋 Möglicher Ablauf

1️⃣ Eröffnung durch den/die Richter:in

Richter:in:

„Ich eröffne die Sitzung des Finanzgerichts BPK. Gegenstand der heutigen Verhandlung ist
die Prüfung der Buchführung sowie die Aufklärung verdächtiger Geschäftsvorfälle in der
Bergisches Papierkontor GmbH.

Ich begrüße die Vertreter:innen des Wirtschaftsprüfungsteams, der Unternehmensleitung
und unserer beratenden Steuerexpert:innen.

Bitte beginnen Sie mit der Vorstellung Ihres Abschlussberichts.“


2️⃣ Präsentation des Wirtschaftsprüfungs-Teams

Wirtschaftsprüfer:in 1:

„Wir möchten Ihnen unsere zentralen Feststellungen vorstellen. Im Bereich der
Wareneingänge kam es zu einer fehlerhaften Buchung – ein Skonto wurde nicht
berücksichtigt, obwohl die Zahlung fristgerecht erfolgte. Dadurch wurde der Aufwand zu hoch
angesetzt.“

Wirtschaftsprüfer:in 2:

„Weiterhin stellten wir fest, dass ein Exportgeschäft Umsatzsteuer ausgewiesen hat, obwohl
es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung handelt – dies kann zu Problemen mit dem
Finanzamt führen.“

Wirtschaftsprüfer:in 3:

„Besonders auffällig waren Buchungen auf dem Privatkonto: Ein teurer Bürostuhl wurde an
die Privatadresse des Geschäftsführers geliefert, Tankbelege ohne Firmenfahrzeugbezug
wurden als Reisekosten gebucht.“

Wirtschaftsprüfer:in 1:

„Unsere Empfehlung: Einführung eines Vier-Augen-Prinzips für alle Buchungen über 500 €,
Schulung des Buchungspersonals sowie regelmäßige externe Kontrollprüfungen.“


3️⃣ Rückfragen durch das Gericht und das BPK-Management

Richter:in:

„Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Können Sie bitte erläutern, ob es sich bei den
Privatbuchungen um grobe Fahrlässigkeit oder mutmaßliche Absicht handelt?“

Wirtschaftsprüfer:in:

„Aufgrund der Häufung und der systematischen Kontenwahl gehen wir von bewusster
Verschleierung aus – dies könnte steuerstrafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Vertreter:in BPK:

„Ich bin erschüttert über diese Vorwürfe. War die Buchhaltung ausreichend dokumentiert
oder gab es Hinweise auf Belegfälschung?“

Wirtschaftsprüfer:in:

„Teilweise fehlten Belegvermerke. Außerdem stimmten einige Beträge nicht mit den
Kontoauszügen überein.“


4️⃣ Gutachten durch die Steuerberater:in

Steuerberater:in:

„Die ermittelten Unregelmäßigkeiten deuten auf Verstöße gegen die
Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) hin. Eine Selbstanzeige kann eine
strafrechtliche Verfolgung möglicherweise mildern – ich empfehle dringend eine rechtliche
Beratung.“


5️⃣ Urteilsverkündung durch den/die Richter:in

Richter:in:

„Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass die Wirtschaftsprüfung auf fundierte Weise
relevante Fehler und potenzielle Verstöße identifiziert hat.

Die Bergisches Papierkontor GmbH wird aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen eine
interne Revision einzuleiten und die Empfehlungen umzusetzen.

Das Verfahren ist damit geschlossen. Vielen Dank.“


🧾 Materialien für die Durchführung

  • Gerichtskulisse (optional: Tische, Namensschilder, „Richterhammer“)
  • Vorbereitete Berichte der Gruppen (digital oder analog)
  • Fragenliste für die Jury oder Lehrkraft
  • Reflexionsbogen:
    • „Was habe ich gelernt?“
    • „Welche Rolle hatte ich?“
  • Bewertungsraster:
    • Fachliche Qualität
    • Darstellung
    • Argumentation

✅ Bewertungsdimensionen (Beispiel)

KriteriumBeschreibung
Fachliche RichtigkeitKorrekte Anwendung von EBK, SBK, Bilanz & Kennzahlen
AnalysefähigkeitIdentifikation und Begründung von Fehlern
ArgumentationLogische, nachvollziehbare Darstellung
PräsentationStruktur, Sprache, Visualisierung
ReflexionKritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Vorgehen

🔄 Reflexionsimpulse

  • Welche fachlichen Zusammenhänge habe ich besser verstanden?
  • Welche Rolle habe ich übernommen – und wie sicher fühlte ich mich darin?
  • Wo gab es Unsicherheiten im Buchungsprozess?
  • Welche Maßnahmen würden zukünftige Fehler verhindern?

Ziel des Projekts:
Die Verbindung von fachlicher Buchführungskompetenz mit Analyse-, Reflexions- und Präsentationsfähigkeiten in einem realitätsnahen Handlungsszenario.