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  • 📖 Story-Element:

Phase 4 stellt den dramaturgischen und inhaltlichen Höhepunkt des Storytellings dar. Die Auszubildenden entdecken eigenständig Auffälligkeiten in Belegen, Buchungen und Kontoauszügen, die auf mögliche Veruntreuung oder betrügerisches Verhalten hinweisen. Mehrere Belege lassen sich nicht eindeutig zuordnen oder wirken manipuliert. Die Unternehmensleitung des Bayerischen Papierkontors bittet das Wirtschaftsprüfungsunternehmen nun um eine abschließende Analyse, mit Fokus auf Warengeschäfte, Steuerbuchungen und private Entnahmen. 🔍📊🔥

  • 🧠 Didaktische Funktion:

Phase 4 dient der Vertiefung und Anwendung der bisherigen fachlichen Kenntnisse. Die Auszubildenden verknüpfen ihre vorher erworbenen Kompetenzen in Buchhaltung, Beleganalyse und Inventur, um komplexe, realitätsnahe Problemstellungen selbstständig zu lösen. Gleichzeitig werden kritisches Denken, Problemlösefähigkeit und reflektierte Entscheidungsfindung trainiert. Die Phase bereitet auf die abschließende Reflexion und Präsentation der Ergebnisse vor.

  • 🎯 Lernziele: Nach Abschluss der Phase 4 sind die Auszubildenden in der Lage,

    • verschiedene Informationsquellen systematisch zu verknüpfen, um ein Gesamtbild von Auffälligkeiten zu erstellen,
    • Fehlbuchungen, Steueranomalien und Lagerbestandsdiskrepanzen zu erkennen und zu dokumentieren,
    • verdächtige Geschäftsvorfälle fachlich korrekt zu verbuchen,
    • die Auswirkungen von Manipulationen auf Unternehmenszahlen kritisch zu bewerten,
    • Hypothesen über mögliche Ursachen und Verantwortlichkeiten abzuleiten,
    • die Ergebnisse auf den eigenen Ausbildungsbetrieb zu übertragen und Transferfragen zu reflektieren,
    • eine fundierte abschließende Analyse zu erstellen, die fachlich begründet Entscheidungen oder Empfehlungen enthält.
  • 🧩 Aufträge an die Auszubildenden:

    • Analyse fehlerhafter Belege und Kontoauszüge 🔍📁
    • Identifikation von Unstimmigkeiten in Warengeschäften, Steuerbuchungen und Lagerbeständen
    • Verbuchung verdächtiger Geschäftsvorfälle
    • Zusammenführen aller Erkenntnisse zu einer abschließenden Analyse
    • Durchführung eines Praxisexkurses: Inventur im eigenen Ausbildungsbetrieb durchführen und mit der Story vergleichen
    • Dokumentation und Präsentation der Ergebnisse
  • 📚 Materialien:

    • Weitere fehlerhafte Belege
    • Übersichten zu Zugriffs- und Buchungsberechtigungen

1. Buchung von Warengeschäften
🔍 Fall:
Eine Buchung zeigt den Kauf von Waren mit einem 3 % Skonto – aber es fehlen Angaben 
zu Skonto oder Lieferbedingungen. 
Außerdem wird ein Exportgeschäft falsch verbucht, obwohl keine Umsatzsteuer ausgewiesen 
werden dürfte (innergemeinschaftliche Lieferung). 💶⚖️

🎯 Lernziel: Differenzierung von normalen und speziellen Warengeschäften und ihre korrekte buchhalterische Behandlung. 📘

🧩 Auftrag der Auszubildenden:

  • Prüfen, ob die Buchungssätze korrekt sind
  • Erstellt richtige Buchungssätze mit Berücksichtigung von Skonto, Bezugskosten oder Rücksendungen.
  • Erklärt den Fehler bei der falschen USt-Ausweisung bei Exportgeschäften.

2. Umsatzsteuer & Vorsteuer – Zahllast/ Vorsteuerüberhang 
🔍 Fall:
Eine Eingangsrechnung mit Vorsteuer wurde gebucht – aber nie bezahlt. Eine 
Ausgangsrechnung wurde brutto auf Privatkonto gebucht.  
Die Zahllast wurde nicht fristgerecht abgeführt. ⚠️

🎯 Lernziel: korrekte USt-/VSt-Buchung, Berechnung der Zahllast und Aufdecken von Unregelmäßigkeiten bei Steuerbuchungen. 📊

🧩 Auftrag der Auszubildenden:

  • Ermittelt die Zahllast bzw. den Vorsteuerüberhang für den Monat.
  • Stellt fest, ob Steuerverkürzung vorliegt.
  • Prüft, ob Belege korrekt mit USt/VSt erfasst wurden.

3. Arbeiten mit dem Kontenrahmen 
🔍 Fall:
Einzelne Belege wurden auf falsche Konten gebucht (z. B. Privatkonto statt 
Aufwandskonto). Ein Kauf von Druckerpapier wurde auf "BGA" statt auf "Büromaterial" 
gebucht. 🗂️

🎯 Lernziel: Sicherheit im Umgang mit dem Kontenrahmen und das Erkennen von Manipulation durch Kontenwahl. 🔎

🧩 Auftrag der Auszubildenden:

  • Ordnet die Buchungen den richtigen Konten im SKR04 zu.
  • Erstellt einen Belegvermerk, der die falsche Buchung erklärt.
  • Leitet mögliche Absichten ab: z. B. steuerlicher Vorteil, Verschleierung von Privatentnahmen.

4. Privatbuchungen 
🔍 Fall:
Es wurde ein Laptop auf Geschäftskosten gekauft, Lieferung an Privatadresse.  
Mehrere Tankbelege ohne Firmenfahrzeugbezug wurden auf Reisekosten gebucht. 
Geldabhebungen am Wochenende – auf "Repräsentation" gebucht. 💻⛽

🎯 Lernziel: Erkennen und korrekte Behandlung von Privatentnahmen in der Buchführung. ⚠️

🧩 Auftrag der Auszubildenden:

  • Korrigiert diese Buchungen unter Einbezug des Privatkontos.
  • Erklärt, warum dies betriebsfremd ist.
  • Diskutiert steuerliche Konsequenzen und mögliche strafrechtliche Folgen.

📚 Materialien:

1. Fallakte / Auftragsmappe für die Azubis 🗂️

  • Auftragsbeschreibung (Brief des Kunden / Mandanten, z. B. Bayerisches Papierkontor)
  • Einführungstext zur „heißen Spur“ (mit Kontext, Zielsetzung, Rolle der Azubis)
  • Fallhintergrund: z. B. Chronologie der Auffälligkeiten
  • Bearbeitungshinweise (Was wird erwartet? In welcher Rolle handeln die SuS?

2. Beleg-Set (als Untersuchungsmaterial) 🗂️

  • Eingangsrechnungen (korrekte & fehlerhafte)
  • Ausgangsrechnungen
  • Kontoauszüge (mit privaten Überweisungen, seltsamen Barabhebungen)
  • Lieferscheine & Inventarlisten
  • Reisekostenbelege / Tankquittungen
  • Anlagegüter-Käufe (z. B. teurer Bürostuhl mit Lieferanschrift = Privatadresse)
  • USt-Voranmeldung (z. B. mit Lücken)

3. Buchungssatz-Karten oder -Arbeitsblätter 📝

  • Unvollständige / fehlerhafte Buchungssätze (zur Korrektur)
  • Buchungssätze mit Auswahloptionen (Multiple Choice, Zuordnung)
  • Spezialfälle wie Skonto, innergemeinschaftliche Lieferung, Privatentnahmen

4. Kontenübersicht / Auszug aus dem SKR04 🗃️

  • Konten für Wareneinkauf/-verkauf, Vorsteuer/USt, Privatkonto, BGA, Bank, Kasse, etc.
  • Als Tabelle oder Karteikartenformat
  • Optional: Erklärung zu häufig verwechselten Konten

5. Verdachtsprotokoll-Vorlage 📋

  • strukturierte Vorlage mit Rubriken:
  • Belegnummer / Buchung
  • Auffälligkeit
  • Korrekturvorschlag
  • Mögliche Motivation / Konsequenz
  • Belegnachweis

6. Reflexionsbogen oder Präsentationsauftrag 🎤

  • Reflexion über die eigene Rolle als Wirtschaftsprüfer*in
  • Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus der Fallbearbeitung
  • Präsentationsauftrag für die Gruppen: „Wie würden Sie dem Kunden den Fall erklären?“ 🎤📊